Die Selbsthilfe im Internet und deren Spielregeln

In den letzten Jahren ist die Selbsthilfe im Internet gut gewachsen. Es gibt mehrere Portale, kommerziell oder privat, die sich breit oder schmal bestimmten Themen wie Gesundheitsfragen an sich oder dem behindertem Kind widmen. Häufig stößt man dabei als Eltern über die Suchmaschinen auf diese Seiten. Doch liefern Suchmaschinen nur ein Teilergebnis, denn so gibt es bei einigen Foren auch abgeschlossene Bereiche, die man erst über eine Mitgliedschaft erreicht und die daher nicht von den Suchmaschinen erfasst werden. Ist die Mitgliedschaft kostenlos, was bei vielen Foren der Fall ist, macht sicherlich eine Anmeldung Sinn für den Blick hinein. Aber einige Foren mögen keine "stummen" Mitglieder, mit Recht. Also, damit man die notwendige Hilfe auch erhält im Netz, muss man auch etwas preisgeben.

Fallstricke der Selbsthilfe im Internet

Ist ein Forum offen zugänglich, so kann jeder mitlesen. Es kann der Mitarbeiter der Krankenkasse genauso sein, der zufällig darauf stößt, wie der Nachbar. Dadurch sollte man sich gut überlegen, was man im Internet offenbart oder wie, so dass - wenn nicht gewünscht - auf die eigene Person oder Familie geschlussfolgert werden kann. Eine Möglichkeit der Verschleierung bietet sicherlich ein anderer Benutzername und keine Nennung sonstiger persönlicher Daten wie Geburtstag oder die Namen der Familienangehörigen. Doch hat eine Verschleierung auch ihre Grenzen, wenn man gezielte Antworten braucht. Hat Dein Kind eine seltene Erkrankung, dann wird es sicherlich schwieriger, die Identität zu verheimlichen. Ich möchte keine Angst schüren, man muss sich dessen aber bewusst sein. Auch in Foren und Kategorien, die nur nach Anmeldung mitgelesen werden können, besteht ein offener Raum. Denn absolute Sicherheit, dass nur Befugte Zutritt erlangen, gibt es nicht.

Spielregeln

Die wichtigesten Spielregeln stehen in den Nutzungsbedingungen des Forums. Andere Spielregeln für einen guten Austausch sind Sachlichkeit und die Bedienung der Suche im Forum. Dass man zuerst die Suche bedient, wünschen besonders erfahrene Forenschreiber. Denn sie möchten einfach nicht doppelt und dreifach dasselbe beantworten. Ein Resultat davon kann nämlich sein, es antwortet auf die Frage niemand.

Gibt es zum Anliegen keine Suchergebnisse oder sind diese nicht passend genug, so kann man einen Beitrag eröffnen. Man sucht dafür das passende Forum und die passende Kategorie raus und formuliert möglichst genau und ohne Umschweife, was die Frage ist. Eine aussagekräftige Überschrift über den Inhalt des Beitrags ist sehr hilfreich. Bevor man eine Antwort erhält, muss man einige Zeit einrechnen. Einige fragen erst nach, bevor sie sich äußern.

Hat man das falsche Forum rausgesucht, so kann es sein, dass man auch keine richtige Antwort bekommst, denn einige Forenbenutzer schauen gezielt nur in die Kategorien rein, die sie spannend und interessant finden. Aber man soll nicht in mehreren Foren oder Kategorien den gleichen Beitrag eröffnen. Damit macht man sich schnell unbeliebt und die Antwort bleibt bewusst aus.

Doch die wichtigste Spielregel mit bleibt der Umgangston. Seine Meinung äußern über einen Sachverhalt ist gut und wichtig, doch sollte man nicht beleidigend oder ausfällig werden. Bei offener Kritik an Institutionen wie der Krankenkasse oder dem Sozialamt und Firmen, öffentlichen Einzelpersonen sollte man die Regeln einhalten, wie sie an sich üblich sind. Man muss auf dem Boden der Tatsachen bleiben und sich bewusst sein, Beleidigungen und Rufschädigung sind nicht gleich freie Meinungsäußerungen und können rechtliche Konsequenzen für den/die Betreiber/in des Forums haben.

Was man noch wissen sollte

  1. Der Forenbetreiber hat das Hausrecht. Betritt man ein Forum, so ist es zwar ein virtueller Raum, doch ist es, als betrete man das Haus eines Anbieters. Der/die Betreiber/in und dessen/deren Moderator/innen legen  fest, was Dman darf, was nicht und er kann des Hauses verweisen, also aus den geschlossenen Räumen werfen und den Zugang sperren. Mag man eine/n Forenbetreiber/in nicht oder dessen/deren Moderator/innen, so steht es einem frei, sein eigenes Forum zum Thema zu eröffnen. Es gibt kostenlose Anbieter, die einem dafür Raum geben.
  2. Das Internet vergisst nicht. Alles, was frei zugänglich im Internet ist, wird archiviert. Sicherlich hat man bei der einen oder anderen Suchmaschinen auch das Wort „Cache“ gelesen. Suchmaschinen kopieren die Seite. Es ist sogar sinnvoll, wenn Seiten mal nicht erreichbar sind. Der Nachteil: Es entsteht ein Archiv, wo man auch nach Jahren noch das findet, was Du heute oder gestern gesagt hast. Hinzu gibt es Bestrebungen der Gesetzgeber, dass Webseiten Ihre Seite archivieren sollen für die Bibliotheken. Also auch dort könnte das Geschriebene landen. 
  3. Achte auf die Daten. Bei kommerziellen Anbieter und ausländischen Seiten sollte man auch vorsichtig, was man von sich preisgibt. Kommerzielle Seiten möchten mit ihrer Webseite Geld verdienen, ob über Werbung oder andere Möglichkeiten. Häufig sind dafür die „Kundendaten“ oder die der User wichtig, denn die werden zum Beispiel nach Interessen ausgewertet. Bei Webseiten im Ausland muss man wissen, dass die Datenschutzrichtlinien des jeweiligen Landes gelten.
  4. Achte auf die Rechtschreibung. Nutze dafür die Vorschau des Beitrags. Zum einen können Rechtschreibfehler sogar den Inhalt verstellen, zum anderen gibt es Leser, die lesen nicht weiter. Sind mal ein, zwei Fehler drin, so ist dies zu verschmerzen. Doch quillt der Text über, so sorgt das nicht gerade für ein positives Bild bei den anderen. Webbrowser wie Opera oder Firefox bringen eine Rechtschreibkontrolle mit oder sie kann leicht nach installiert werden. 
  5. Achte auf Fakes und Trolls. Es gibt auch Zeitgenossen, denen es nicht um die Sache an sich geht, sondern die versuchen bewusst ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem sie mit den anderen Usern „spielen“. Die Trolls streuen Gift mit Beiträgen und heizen damit eine Diskussion über das Maß und ohne richtige Sachlichkeit auf. Fakes sind Nutzer, die vorgeben, jemand anderes zu sein und gaukeln zum Beispiel eine dramatische Story vor, um sich zum Beispiel eine Portion Mitleid „abzuholen“.  Leider kann man vor beiden keinen Schutzwall errichten. Man kann sich nur selbst schützen, in dem man die Geschichten der anderen versuchst sachlich zu betrachten. Fakes können teilweise sehr raffiniert sein, doch gibt es immer mal welche, die durch plötzliche Widersprüche oder fehlendes Detailwissen aufliegen. Der sicherste Weg, um den Fake zu entgehen, ist, wenn man sich persönlich trifft. Insgesamt ist es sinnvoll, nicht jede Geschichte emotional an sich heranzulassen.

 

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