Ein schwer krankes Kind stellt die Familie auf eine schwierige „Bewährungsprobe“. Obwohl Bewährung vielleicht nicht das richtige Wort ist, aber eben auch nicht falsch. Die Fäden und Nähte, das, was die Familie zusammenhält, werden neu gespannt bis zur Zerreißprobe. Selbst ohne ein krankes Kind ist bei vielen der Alltag nicht leicht. Der Beruf oder eben finanzielle Belastungen sorgen schon von sich aus für Unruhe und Last. Daneben müssen dann noch der Haushalt, die Betreuung des Kindes oder die Schule unter einen Hut passen, der sich Alltag nennt. Es kann schon eine logistische Meisterleistung werden, das Kind zur Schule oder in den Kindergarten zu bringen und wieder zu holen und dann folgt noch der Sport oder die Musiklehre. Am Ende vom Tag fällt man nur noch ins Bett und hofft, dass der Einsatz dem Kind eine gute Startposition ins Leben erwirkt. Der normale Alltag eben einer „typischen“ Familie.
Wird das Kind schwer krank oder ist es von Geburt an, so biegt sich die Brücke über das dunkle Tal des Scheiterns nach unten durch. Die Nähte und Fäden, die das Paar, die alle zusammenhalten über die Großeltern hinaus, spannen sich. Die Last des "normalen" Alltags drückt auf einen eh schon und dann dies: ein schwer krankes Kind, es nimmt einem erstmal den Atem, stellt die Frage neu oder eben richtig: Wie kann es weiter gehen, wenn man sich an der Wand gedrückt fühlt?
Häufig, zu häufig reißen dann die Fäden, die Nähte platzen auf und das Paar fällt in das dunkle Tal, das Thema Trennung wird gedacht und formuliert. Manchmal ist es aber nicht das Elternpaar, die nur noch den Weg Trennung kennen, sondern die Großeltern vom Kind oder die Geschwister der Eltern. Auch sie sind gefordert im Verstehen und der Annahme des Schicksals der Familie, ihres Enkels oder eben Nichten/Neffen. Sie treffen auch auf den Punkt der Akzeptanz, wenn das Enkel durch die Erkrankung behindert ist. Daneben kann sich ihnen die Frage der Schuld stellen, wenn es eine vererbte Erkrankung ist, ob sie nicht selbst die Schuld für das jetzige Schicksal ihres Kindes, dessen Familie, genauso in sich tragen.
Ein Patentrezept für den Halt der Familie über das Tal gibt es wohl nicht, ob man also die Fäden oder Nähte mit einer Emulsion einreiben könnte, wodurch sie stabiler oder dehnbarer werden und eben nicht reißen. Doch gibt es Erfahrungen oder auch Wege, die man gehen kann und wir hier versuchen zu finden, um das Thema Trennung, ein Aus der Familie, zu verhindern. Oder aber es sind die Geschichten, die wieder durch die Nähte einen neuen Faden ziehen. Manchmal ist aber auch der Bruch unvermeidlich, wenn die Frage zum Beispiel steht, ob die Brücke durch das Leben nicht eher durch die Last der Beziehung fast bricht als durch den Weg mit dem kranken Kind, bei manchen vererbten Erkrankungen bleibt es nicht einmal bei einem.
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